Dirndl-Dichte und Lederhosen-Aufkommen

Wer dieser Tage in’s Bayrische Landeshauptdorf reist, erlebt ein farbenfrohes Schauspiel. Es herrscht nämlich Oktoberfest oder wie man hier schlicht sagt: Wiesn.
Für die Nordlichter: Das ist sowas wie die Kieler Woche, nur ohne die ganzen coolen Sachen wie Segeln, Popularmusik und Regenwetter. ;-)

Beruflich hat es mich heute nach München verschlagen und schon am Hauptbahnhof konnte man viele Einheimische, Zugereiste und Touristen in der traditionellen Tracht der Ureinwohner beobachten.
Wenn man sich dann,  wie ich, mit der U-Bahn in entgegengesetzter Richtung bewegt, also von der Haltestelle Theresienwiese weg (die U5 wird übrigens in der Stationsdurchsage offiziell als “Wiesnexpress” angekündigt), nimmt die Dirndl-Dichte ab, was auch im direkten Verhältnis zum sinkenden Lederhosen-Aufkommen steht.
Man kann zweierlei Ausprägungen erkennen. Graumelierte Damen und Herren bevorzugen klassische Stoffe und Schnitte. Jüngere Generationen variieren eher in diesen Punkten und ergänzen zeitgemäße Accessoires wie Sonnenbrillen und iPhones.
Weniger passend erscheint mir die Kombination traditioneller Trachten-Herren-Oberbekleidung vom Hemd bis zu den Socken mit Nikes oder Chucks. Optisch wesentlich ansprechender als stachelige Männerbeine sind da schon die Dirndl-Variationen für die ärmeren Schichten wie Studentinnen, bei denen in passenden Regionen am Stoff gespart wurde. ;-)

Aber auch sonst treibt die Wiesn seltsame Blüten. So bietet Burger King gar eine aus drei Motiven bestehende T-Shirt Kollektion zum Oktoberfest an. Und wenn selbst Münchner Mütter in der U-Bahn ihren Kindern schmunzelnd ankündigen “Pass auf, gleich steigen wieder ganz viele Dirndl und Lederhosen ein”, dann stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn zur Kieler Woche 90% der Besucher im Matrosenanzug gingen.